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Lautstarke Ansprache beendet Achterbahnfahrt

  • Spielbericht
Die EPG Baskets Koblenz sind in der 2. Basketball-Bundesliga Pro B Süd ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Gegen den Tabellenletzten Fraport Skyliners Juniors setzte sich die Mannschaft von Trainer Danny Rodriguez deutlich mit 88:45 (39:30) durch. Damit bleibt die Heimbilanz der Koblenzer makellos, es war der fünfte Sieg im fünften Heimspiel. Der Erfolg war zudem ein passendes Geschenk für Klaus Weinand, der als Spieler fünfmal deutscher Meister wurde und in der Nationalmannschaft unter anderem mehrmals bei den Olympischen Spielen aktiv war. Der Koblenzer feiert an diesem Montag seinen 80. Geburtstag.
So vielversprechend die Gäste aus Frankfurt zunächst mit einem erfolgreichen Dreier von Calvin Schaum in die Partie gestartet waren, so chancenlos agierten sie am Ende. Bereits nach vier Minuten hatten sich die Koblenzer in der Sporthalle auf der Karthause beim Stand von 15:5 eine zweistellige Führung herausgespielt. Von Anfang an heiß lief dabei Brian Butler, der allein in den ersten Sequenzen der Begegnung neun Punkte markierte.
Gästetrainer Miran Cumurija reagierte auf den Start seiner Mannschaft mit einer frühen ersten Auszeit. Die brachte aus Sicht der Skyliners auch den gewünschten Effekt. Denn nach einer lautstarken Standpauke des Frankfurter Trainers waren die Hessen im Spiel angekommen und verkürzten den Rückstand auf 14:16 (8. Minute).
Auf Koblenzer Seite war der Anfangsfluss indes dahin, was wiederum Baskets-Coach Rodriguez dazu veranlasste, seinerseits eine Auszeit zu nehmen. Ähnlich wie kurz zuvor sein Trainerkollege tobte nun Rodriguez wild gestikulierend an der Seitenlinie. „Wir müssen verstehen, dass wir eine Mannschaft sind, die von der Energie lebt. Wenn wir mit zehn Punkten führen, dürfen wir nicht einfach aufhören, zu spielen. Wir müssen 40 Minuten Gas geben“, stellte Rodriguez hinterher auf der Pressekonferenz klar.
Sein Ärger war da mittlerweile verflogen, wenngleich sich die Baskets auch im zweiten Viertel einen ähnlichen Durchhänger geleistet hatten. Trotz etlicher Ballverluste der Frankfurter machten sich die Koblenzer das Leben selbst schwer.
Zwar gaben die Baskets den Takt vor, doch nach zwischenzeitlicher 36:21-Führung (16.) ließen sie den Gegner zum Viertelende wieder auf neun Zähler herankommen (39:30).
„Das war unnötig“, konstatierte Sportdirektor Thomas Klein, der ansonsten aber nicht mit Lob sparte: „Die Mannschaft hat super gespielt. Danny hat sehr gut durchrotiert, jeder hat sich eingebracht. Ich bin sehr zufrieden. Es war ein sehr gutes Basketballspiel auf einem hohen Intensitätslevel.“
Das lag vor allem am dritten Viertel, das die Baskets dominierten. Die junge Frankfurter Mannschaft (Durchschnittsalter 18,9 Jahre) wurde von den spielfreudigen Koblenzern in dieser Phase regelrecht überrollt. „Wir haben nicht genug investiert, um im Spiel zu bleiben“, fasste Gästetrainer Cumurija resigniert zusammen.
Sein Kritikpunkt: „Das Team hat den Kopf hängen lassen. Koblenz war bereit und wollte es mehr. Wir hatten nach der Pause keinen Zugriff auf das Geschehen. Dann wird es gegen so einen Gegner natürlich schwierig. Der Kader von Koblenz gehört für mich zu den besten der Liga.“
Die zweite Hälfte gehörte allein den Baskets. Die Defense um den zupackenden Edin Alispahic (sechs Rebounds), der nach mehrwöchiger Verletzungspause ein erfolgreiches Comeback feierte, ließ im dritten Viertel lediglich fünf Zähler der Frankfurter zu. Bei den Balleroberungen stach der US-Amerikaner DJ Woodmore mit fünf Gewinnen hervor, er war zugleich mit 18 Punkten auch bester Werfer auf dem Parkett.
Nach einem 16:1-Lauf führten die Koblenzer vor den letzten zehn Minuten komfortabel mit 67:35. Damit war die Vorentscheidung bereits gefallen und die Spannung frühzeitig raus. Aber auch mit leicht angezogener Handbremse ließen die Koblenzer nicht locker und bauten ihren Vorsprung weiter aus. Mit Lucas Mayer, Henning Schaake und Joshua Lübken trafen im Schlussviertel auch die letzten Bankspieler der Koblenzer, sodass am Ende alle zwölf Akteure der Baskets punkten konnten.
„Wir haben als Team gut zusammengespielt. Die erste Hälfte war zwar eine kleine Achterbahnfahrt mit einem Auf und Ab, doch insgesamt hatten wir das Spiel die ganze Zeit unter Kontrolle“, bilanzierte Schaake nach dem höchsten Saisonsieg des Tabellenzweiten. Zufrieden war – trotz kleiner Kritikpunkte – auch sein Trainer Rodriguez: „In der ersten Hälfte war unser Energielevel nicht durchgehend da, das hat die Frankfurter kurz vor der Pause zurückkommen lassen. Danach gab es eine lautstarke Ansprache in der Kabine, die gewirkt hat. Als Kollektiv haben wir anschließend einen guten Job gemacht. Frankfurt hat in der zweiten Hälfte keine passende Antwort mehr gefunden.“
EPG Baskets Koblenz: Woodmore (18), Butler (15), Alispahic (9), Wellian (8), Oldham Junior (7), Thompson (7), Jean-Louis (6), Mampuya (5), Lübken (4), Westerhaus (4), Mayer (3), Schaake (2).
 
Quelle: Rhein-Zeitung vom 14.12.2020