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Koblenzern droht nach Fehlstart das frühe Aus

  • Spielbericht
Das hatten sich die EPG Baskets Koblenz völlig anders vorgestellt. Zum Start in die Play-off-Runde um den Aufstieg in die 2. Basketball-Bundesliga Pro A setzte es für die Mannschaft von Trainer Danny Rodriguez eine verdiente 79:92 (38:43)-Pleite bei den Gießen 46ers Rackelos, gegen die sie in der Saison zweimal gewonnen hatte. Somit stehen die Rhein-Mosel-Städter vor dem Heimspiel am Sonntag (17 Uhr) gegen Baskets Schwelm schon mit dem Rücken zur Wand. Eine weitere Niederlage würde wahrscheinlich das Ende aller Aufstiegshoffnungen bedeuten.
„Es ist ziemlich simpel. Wir waren mental offenbar nicht bereit, haben den Kampf nicht angenommen. Nach dreiwöchiger Spielpause darf man so nicht auftreten. Wir hatten uns so viel vorgenommen. Unser Spiel war aber unerklärlicherweise viel zu langsam“, haderte ein merklich enttäuschter Rodriguez.
Das erste Viertel fiel noch unter die Kategorie vorsichtiges Abtasten. Zwischenzeitlich mit Vorteilen bei den Baskets, die DJ Woodmore mit fünf Punkten hintereinander ins Spiel brachte und die sich durch einen erfolgreichen Drei-Punkte-Wurf ihres besten Punktesammlers, Anthony Canty, kurz vor Viertelende auf 20:15 absetzten. Etwas bezeichnend war da aber bereits, dass die Gastgeber umgehend konterten und durch den überragenden US-Amerikaner Donte Nicholas wieder ausglichen.
„Zwei Knackpunkte“ machte Rodriguez anschließend bei seiner Analyse aus. Der erste ereignete sich zu Beginn des zweiten Spielabschnittes: Als Gießens wichtiger Spieler Tim Uhlemann eine Verschnaufpause erhielt, stellte Rodriguez umgehend auf eine Zonenverteidigung um. Mit Erfolg, denn schnell ergab sich wieder eine Fünf-Punkte-Führung für die Koblenzer – 29:24 (15.). Genauso schnell konterte aber Gießen. Wieder mit Uhlemann, landeten die Hessen einen 10:0-Lauf. „Das darf nicht passieren. Wenn man sich einen kleinen Vorteil erarbeitet, muss man den irgendwie besser konservieren“, ärgerte sich Rodriguez.
Den Hausherren gelang dies besser. Mit einer 43:38-Führung gingen die Lahnstädter in die Pause. Da fand Rodriguez offenbar deutliche Worte. Die Baskets eröffneten die zweite Halbzeit mit zehn Punkten in Folge, davon zwei Dreier von Canty und Woodmore. „Das führte dann allerdings zum zweiten Knackpunkt. Wieder haben wir es nicht geschafft, mehr Nutzen aus diesem Lauf zu ziehen“, analysierte Rodriguez.
Gießen drehte zum Viertelende wieder auf und verschaffte sich eine Fünf-Punkte-Führung vor dem Schlussabschnitt. Da schien die Partie kurzzeitig zu einem echten Krimi zu avancieren. Edin Alispahic traf per Dreier, ein weiterer Versuch lugte schon ins Netz, fiel aber nicht rein. Im Gegenzug punktete Routinier Johannes Lischka doppelt. Das frustrierte die Koblenzer, was auch der Körpersprache anzumerken war. „Zu schnell sind die Köpfe nach kleinen Rückschlägen nach unten gegangen“, missfiel es Rodriguez.
Die Gastgeber setzten sich sechs Minuten vor dem Spielende erstmals in den zweistelligen Bereich ab (74:64) und machten es jetzt clever. Vor allem Nicholas war überhaupt nicht in den Griff zu bekommen. Am Ende gelang dem Amerikaner ein Triple Double, zweistellige Werte in drei Kategorien: Neben 21 Punkten produzierte der Flügelspieler zehn Korbvorlagen und zehn Rebounds. „Und er schien nicht einmal müde. Wahrscheinlich hätte Nicholas auch noch mehr Punkte auflegen können. Wir hatten auf ihn keine Antwort“, zeigte sich Rodriguez beeindruckt.
Drei Minuten vor dem Ende war die Partie nach einem Dreier von Uhlemann zum 83:68 entschieden. „Es ist wirklich einfach“, wiederholte sich Rodriguez. „Die Schiedsrichterleistung war die wohl beste der Saison. Es wurde vieles laufen gelassen, die Mannschaften hatten die Gelegenheit, sich zu beweisen. Gießen wollte es einfach mehr, das wurde im gesamten Spielverlauf immer wieder deutlich.“ Doch der Koblenzer Trainer nahm auch etwas Positives aus der Gießener Osthalle mit. „Unmittelbar nach dem Spiel hat ein Akteur das Wort ergriffen und eindrucksvoll der Mannschaft ins Gewissen geredet. Wir müssen nun eine andere Einstellung an den Tag legen, sonst haben wir in den Play-offs auch nichts verloren.“
Die Gelegenheit bietet sich gleich am Ostersonntag, wenn Schwelm, das sein erstes Spiel gegen Itzehoe mit 85:77 gewann, zu Gast auf der Koblenzer Karthause ist. Die Ausgangslage ist klar. Bei einer Niederlage der Koblenzer sind die Chancen auf ein Weiterkommen nur noch theoretischer Natur oder ganz dahin, nämlich dann, wenn Gießen auch die Itzehoe Eagles schlägt.
„Keine Frage, ein Sieg muss jetzt her“, weiß Rodriguez, der den Gegner auch bereits unter die Lupe genommen hat. „Schwelm ist eine wirklich erfahrene Truppe. Der Sieg gegen Itzehoe war keine wirkliche Überraschung. Jeder kann jeden schlagen.“ Besonderes Augenmerk gilt aufseiten der Schwelmer dem US-Amerikaner Montreal Scott, der gegen Itzehoe starke 27 Punkte auflegte, und dem ausgebufften 34-jährigen Nikita Khartchenkov. „Die haben schon alles gesehen. Wir haben nur dann eine gute Chance, wenn wir einfach viel schneller spielen. Wir müssen jetzt zu unserem Tempospiel finden“, macht Rodriguez deutlich.
 
Koblenz: Canty (23), Butler (22), Oldham (12), Woodmore (10), Alispahic (8), Lieser (4), Mayer, Thompson, Lübken, Wellian, Schaake, Jean Louis.
 
Quelle: Rhein-Zeitung vom 03.04.2021