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Koblenz jubelt erst in letzter Sekunde

  • Spielbericht
Die EPG Baskets Koblenz sind mit einem Erfolg in die Play-offs der 2. Basketball-Bundesliga um den Aufstieg in die Pro A gestartet. Die Rhein-Mosel-Städter setzten sich vor rund 600 Zuschauern in der Oberwerther CGM Arena in einer intensiven und schnellen Partie gegen die Iserlohn Kangaroos mit 73:70 (44:40) durch. Ein weiterer Erfolg gegen die Sauerländer, die kommenden Samstag Heimrecht haben, würde für die Koblenzer den Einzug ins Viertelfinale bedeuten.
Die ersten beiden Korberfolge der finalen Saisonphase gingen auf das Konto von Baskets-Aufbauspieler Marvin Heckel. Iserlohn antwortete per Dreier durch den stark aufspielenden Moritz Hübner, der die Koblenzer Defensive vornehmlich in der ersten Hälfte immer wieder vor Probleme stellte. Die Teams zeigten keinerlei Zeichen von Anfangsnervosität. Von Beginn an war das Spieltempo hoch. Nach weniger als drei Minuten hatten Heckel und Lucas Mayer bereits zwei Fouls auf ihrem Konto, und der Koblenzer Trainer Gerard Gomila sah sich früh gezwungen, zu wechseln.
Während dieser Saison war der Übergang in die Rotation oftmals eine Problemphase der Baskets. Nicht so dieses Mal. Indrek Sunelik brachte sofort viel Schwung und zog zwei Mal mit viel Energie erfolgreich zum Korb. Iserlohn antwortete wieder mit einem erfolgreichen Distanzwurf durch Ruben Dahmen zum 10:10 (5.).
Während die Baskets in den beiden Spielen in Hanau und gegen Speyer offensiv zu umständlich und einfallslos agierten, machten sie es diesmal besser. Vor allem vermieden die Koblenzer viele Würfe jenseits der Dreierlinie. „Natürlich habe ich die Distanzwürfe nicht verboten. Wir wollten einfach eine bessere Balance, und das ist uns gut gelungen. Unsere Offensive sollte sich variabler gestalten“, sagte Gomila zu seinem Plan. Das zeigte sich auch in den nächsten Angriffssequenzen. Erst traf Sunelik aus der Distanz, dann ließ Brian Butler einen spektakulären Dunk folgen zum 17:12 (7.). Die Gäste nahmen ihre erste Auszeit und stellten kurz danach auf Zonenverteidigung um. Koblenz hielt aber die Führung und beendete das erste Viertel mit 27:23.
Der zweite Abschnitt war geprägt von jeweils einer guten Phase auf beiden Seiten. Zunächst setzten sich die Baskets nach 7:0-Lauf auf 39:30 ab. Die Gäste antworteten mit einem 10:0-Lauf und übernahmen zwei Minuten vor der Pause die Führung. Heckel brachte dann die Führung zurück, und Butler traf mit der Schlusssirene zur 44:40-Pausenführung.
Nach dem Seitenwechsel kamen die Gastgeber besser aus der Kabine. Iserlohn hatte Schwierigkeiten. „Wir haben ein wenig an Intensität nachgelassen und unseren offensiven Flow verloren. Das Momentum war klar auf Koblenzer Seite“, erklärte Gästecoach Dennis Sherivan. Die Baskets gestatteten Iserlohn nur acht Zähler im dritten Viertel. Mit dem letzten Wurf im Viertel brachte Sunelik den Vorsprung erstmals in den zweistelligen Bereich: 59:48 für Koblenz.
Eine Vorentscheidung war dies aber längst nicht. Die Gäste kämpften sich langsam zurück. Ein Dreier durch Emil Loch zum 66:70 führte fünf Minuten vor dem Ende zu einer Auszeit durch Gomila. Und es wurde in der Endphase noch einmal richtig spannend. Für Koblenz traf anschließend nach Ballverlusten auf beiden Seiten Shembari Philips doppelt von der Freiwurflinie. 69 Sekunden vor dem Ende brachte Moritz Schneider die Gäste per Dreier in Schlagdistanz. Die Baskets verloren danach den Ball, als ein Heckel-Pass den Fuß des Gegenspielers berührte. Die Unparteiischen sahen dies nicht, worüber sich Gomila zu heftig echauffierte. Die Folge war ein technisches Foul plus Freiwurf für Iserlohn, den Toni Prostran zum 70:72 verwandelte. Die Gäste blieben 42 Sekunden vor dem Ende in Ballbesitz und nahmen sich noch einmal eine Auszeit. Die Baskets verteidigten den folgenden Angriff stark und kamen nach einem Iserlohner Fehlpass 19 Sekunden vor Schluss in Ballbesitz. Damit war die Partie aber auch noch nicht entschieden. Dominique Johnson wurde nämlich gefoult und verwandelte nur einen seiner zwei Freiwürfe. So hatte Iserlohn acht Sekunden vor der Schlusssirene bei 70:73-Rückstand noch eine Ausgleichschance. Der Distanzwurfversuch durch Prostran war aber deutlich zu kurz, der Ball ging daneben, der Koblenzer Sieg war perfekt.
„Iserlohn hat heute deutlich gezeigt, dass es besser ist, als es der Tabellenplatz nach der Hauptrunde vermuten lässt. Sie haben uns alles abverlangt. Wir und auch ich können unsere Emotionen in den entscheidenden Situationen besser kontrollieren. Aber lieber habe ich zu viele als keine Emotionen. Insgesamt war es eine gute Partie von uns, offensiv wie defensiv. Aber es ist klar, dass wir auch in der nächsten Woche gegen diesen Gegner so eine Leistung erneut brauchen werden“, erklärte Gomila. Und Iserlohns Sherivan analysierte: „Das war typischer Play-off-Basketball. Eine Partie, die Spaß gemacht hat. Am Ende haben Kleinigkeiten entschieden und wir werden versuchen, kommende Woche zurückzuschlagen.“
 
Koblenz: Heckel (15), Philips (10), Mayer (5), Johnson (6), Pölking, Sunelik (12), Mampuya (7), Butler (15), Sperber, Saffer, Phatty, Womala (3).
 
Quelle: Rhein-Zeitung vom 04.04.2022