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Johnson ebnet Baskets den Weg ins Viertelfinale

  • Spielbericht
Mit 30 Minuten Verspätung ist in der Koblenzer CGM Arena das entscheidende Duell im Play-off-Achtelfinale der 2. Basketball-Bundesliga ProB um den Aufstieg in die ProA zwischen den EPG Baskets Koblenz und den Iserlohner Kangaroos angepfiffen worden. Aber bei den Gästen, die im Stau gestanden haben, sowie bei den Koblenzern war von Anfang an ordentlich Druck auf dem Kessel. Nur für den Gewinner konnte die Reise in Richtung Play-off-Viertelfinale weitergehen.
 
Nach 40 intensiven und hochspannenden Minuten setzten sich die Koblenzer, angeführt vom einstigen Bundesligaprofi Dominique Johnson, mit 68:63 (16:16, 29:33, 50:55) durch und feierten den Einzug in die Runde der besten acht Teams. Dort treffen sie auf den Gewinner des Duells zwischen den Art Giants Düsseldorf und dem TSV Oberhaching.

Vor 1100 Zuschauern in der CGM Arena holte sich der Koblenzer Moses Pölking zwar den Sprungball, doch die ersten Zähler machte Iserlohn durch einen Dreipunktewurf von Toni Prostran. Lucas Mayer verkürzte, ehe Iserlohns Alexander Möller per Sprungwurf traf. Dann kam der erste große Moment von Dominique Johnson. Er nahm relativ ungedeckt zwei Dreier und schraubte beide Würfe ins Ziel. Die Baskets führten 8:5, die Halle stand Kopf, und die Sauerländer nahmen eine Auszeit (5.).
Iserlohn schlug mit einem 5:0-Lauf innerhalb von 40 Sekunden zurück. Baskets-Akteur Marvin Heckel versenkte danach die ersten Freiwürfe, und Tidjan Keita traf für Iserlohn. Doch die Baskets schlugen durch Dreier von Niclas Sperber und Jacob Mampuya mit einem 6:0-Lauf zurück. Ein Iserlohner Dreier beendete das erste Viertel zum 16:16.
„In den ersten zehn Minuten wurde sichtbar, dass wir uns wie schon so oft in den Wurf aus der Distanz verlieben. Vor allem, wenn dir der Gegner viele Räume anbietet. Diese haben wir gut erkannt, aber leider zu selten ausgenutzt“, analysierte Johnson.
 
Das zweite Viertel begann mit Punkten für den Gast, ehe die Baskets durch Shembari Phillips und Brian Butler antworteten. Iserlohn verkürzte zum 20:22, Butler antwortete per Dunking und Freiwurf. Dann ging Iserlohn durch einen 7:0-Lauf mit 27:25 in Führung (15.), woraufhin Baskets-Coach Gerard Gomila mit einer Auszeit reagierte.
Die nächsten fünf Minuten waren von vielen Fehlwürfen und Ballverlusten geprägt. Koblenz erzielte durch Sperber und Johnson noch vier Zähler, aber die Iserlohner bauten ihre Führung auf vier Punkte aus. Somit ging es mit 29:33 aus Sicht der Heimmannschaft in die Halbzeitpause.
„Wir haben zu Beginn des Viertels gut gespielt, diverse Lösungen gefunden und zuverlässig gescort. Dann haben wir aber wieder zu viel auf Dreier gesetzt und das Viertel folglich abgegeben“, erzählte Johnson. Iserlohns Trainer Yasin Turan meinte: „Unser Ziel war es, Koblenz in den Vierteln bei maximal 16 Punkten zu halten. Das ist gut aufgegangen.“
 
Die Halbzeitansprache von Heimtrainer Gomila muss jedoch gefruchtet haben, denn seine Mannschaft wurde zu Beginn des dritten Abschnitts deutlich stärker. Sie schraubten einen 7:0-Lauf aufs Parkett. Dafür verantwortlich waren Johnson, Heckel und Mayer. Nach einer Auszeit der Gäste glichen diese einen knappen Rückstand wiederum aus, bis dahin ging es also hin und her. Doch die letzten zwei Minuten dieses Viertels gehörten Koblenz. Es waren der stark aufspielende Mampuya, Johnson und der unermüdlich kämpfende Butler, die ihre Mannschaft mit 50:43 in Führung brachten, ehe die Iserlohner noch zum 45:50 verkürzten. „Wir haben angefangen, uns in der Offensive besser zu bewegen und das Spiel somit immer mehr an uns gerissen. Dazu haben wir unsere Würfe besser getroffen und uns von den Fans pushen lassen“, sagte Gomila zum dritten Viertel.
 
Die letzten zehn Minuten dieses spannenden Duells mit vielen Führungswechseln waren angebrochen. Den besseren Auftakt legten die Iserlohner mit dem 48:50 hin. Davon ließ sich Koblenz jedoch nicht beeindrucken. Ein 5:0-Lauf dank Heckel, Sperber und Johnson bei knapp drei Minuten ohne Korberfolg und dem Ausfoulen von Möller auf Iserlohner Seite war die Antwort. In den folgenden drei Minuten punkteten wieder beide Teams durch tolle Distanzwürfe, kaltschnäuzige Freiwürfe oder einfach stark herausgespielte Treffer.
Beim Stand von 59:57 für Koblenz brach die entscheidende Phase an. „Wir haben uns zu viele Turnover geleistet und unsere Schützen nicht mehr in Szene setzen können. Koblenz hat dies dann mit über 20 Punkten im dritten Viertel ausgenutzt und auch im Schlussviertel fortgesetzt. Zudem haben wir Foulprobleme bekommen, durch die wir Führungsspieler ersetzen mussten“, erklärte Turan. Diese Probleme der Gäste wurden nun sichtbar, hinzu beflügelte der Heimvorteil die Koblenzer Mannschaft. Die Stimmung in der Halle war auf dem Höhepunkt, als Butler einen Dunking versenkte und Heckel seine Gegenspieler wie Slalomstangen stehen ließ: Die Baskets lagen nach diesen Aktionen mit 63:57 in Führung.
Die restlichen 50 Sekunden Spielzeit zogen sich über knapp zehn Minuten. Die Iserlohner besprachen in einer Auszeit folgende Strategie: möglichst schnell einen Dreier versenken und die Baskets beim folgenden Anspiel foulen. Tatsächlich kam Iserlohn auch zum 63:66 und war auf Tuchfühlung, aber die Gäste hatten die Rechnung ohne den treffsicheren Johnson gemacht. Denn nach Foul an Johnson bewies dieser Nerven wie Drahtseile und tütete den Koblenzer 68:63-Erfolg ein.
Trainer Gomila: „Iserlohn war ein guter Gegner und hat es uns nicht leicht gemacht. Heute hat die Leistungssteigerung in Halbzeit zwei und die Erfahrung von Johnson den Ausschlag gegeben. Wir werden uns jetzt ausruhen und uns ab Montag in einer langen Trainingswoche auf die nächsten Spiele vorbereiten.“ Iserlohns Turan kam zu folgendem Fazit: „Es ist schade, dass wir nicht gewonnen haben. Es hat nämlich super viel Spaß gemacht, vor solch einer Kulisse zu spielen.“
 
Für die Koblenzer Basketballer heißt es nach dem Einzug ins Viertelfinale abwarten, welche Mannschaft der nächste Gegner am 24. April in der CGM Arena sein wird. Die Entscheidung fällt am heutigen Samstag im dritten Spiel zwischen Düsseldorf und Oberhaching. Johnson dazu: „Wir wollen weiterhin vor diesen Fans guten Basketball spielen. Mit Oberhaching haben wir noch offene Rechnungen zu begleichen. Düsseldorf ist für uns eine Unbekannte. Jedoch müssen wir jeden Gegner schlagen, um unsere Ziele zu erreichen.“ Und Thomas Klein, Vorstand Sport und Marketing, ergänzte: „Die Spiele gegen Iserlohn waren fantastisch. Jetzt sind wir im Play-off-Modus angekommen. Und hier in Koblenz muss uns erst einmal einer schlagen.“
 
Koblenz: Johnson (24), Butler (11), Heckel (10), Mampuya (7), Sperber (7), Mayer (6), Phillips (3), Pölking, Saffer, Sunelik, Womala.
 
Quelle: Rhein-Zeitung vom 16.04.2022