Erst zwei Wochen nach Vorbereitungsbeginn ist Marley Jean-Louis zu den EPG Baskets Koblenz gestoßen und nach vier Spielen scheint der wurfstarke Aufbauspieler bereits unverzichtbar zu sein. Beim vorletzten Sieg der Koblenzer in der 2. Basketball-Bundesliga ProB Süd gegen Karlsruhe trat der 26-jährige Berliner hervor und überragte mit acht verwandelten Distanzwürfen. Am Deutschen Eck landete der Scharfschütze allerdings erst im zweiten Anlauf.
 
Den klangvollen Namen verdankt der Neu-Koblenzer seiner Mutter, die aus Französisch-Guyana stammt und Reggae-Legende Bob Marley mochte. Auch seine beiden Geschwister bekamen Namen mit Bezug zum Jamaikaner. Die Liebe zum Basketball geht dagegen eher auf die Tante zurück, die als Hostess beim Deutschen Meister Alba Berlin arbeitete und Marley Jean-Louis vorschlug, es in der dortigen Jugendabteilung zu probieren. „Vorher habe ich auch viel Sport gemacht, aber nichts habe ich wirklich intensiv verfolgt. Das änderte sich dann ganz schnell. Basketball ist seitdem nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken“, beschreibt Jean-Louis, der sämtliche Jugendmannschaften des Vorzeigeklubs durchlief und nebenbei sein Abitur ablegte. „Die Zeit in Berlin möchte ich keinesfalls missen. Es war toll, in diesem Verein ausgebildet zu werden, die Nähe zu den Profis und der großen Arena war äußerst motivierend“, sagt er.
 
Das erste Jahr im Seniorenbereich verbrachte der 1,88-Meter-Mann ebenfalls noch in Berlin, bei der Reservemannschaft von Alba in der Regionalliga. Beispielsweise an der Seite des drei Jahre jüngeren Moritz Wagner, der danach den Weg an ein US-College wählte und mittlerweile Nationalspieler und NBA-Profi bei den Washington Wizards ist. „College stand auch bei mir kurz zur Debatte, aber es hat dann zeitlich nach 13 Schuljahren nicht gepasst. Für mich war aber klar, dass ich mich weiterentwickeln wollte und das konnte ich eigentlich nur außerhalb von Berlin. Der Sprung zu den Profis bei Alba war einfach zu groß“, erklärt Jean-Louis, den es zunächst 2015 ins westfälische Münster zog.
„Ich hatte Kontakte nach Münster. Mir gefielen die Umstände auf Anhieb. Eine schöne Stadt, ein ambitionierter Regionalligist, der aufsteigen wollte“, erinnert sich Jean-Louis. Mit dem Aufstieg wurde es in Münster in zwei Anläufen nichts, zwei Mal blieb es bei der Vizemeisterschaft. Doch der persönliche Aufstieg blieb nicht verwehrt.
 
Ein Angebot von ProB-Ligist EN Baskets Schwelm folgte. Im Sommer 2017 spielte Jean-Louis auch in Koblenz vor, erhielt damals aber kein Vertragsangebot. „Es waren ganz andere Umstände, ein anderer Trainer war hier. Manchmal passt es einfach nicht und kurz darauf dann doch.“ Jean-Louis wechselte zu Schwelm und avancierte zum Stammspieler. 2018 spielte er beim FC Schalke 04 vor, blieb aber doch noch eine Saison in Schwelm. „Ich habe in jedem Sommer hart an mir gearbeitet, habe mich stetig weiterentwickelt. Das wurde anerkannt und belohnt“, freut sich Jean-Louis, dem 2019 dann ein Angebot des ProA-Ligisten aus Gelsenkirchen vorgelegt wurde. „Auch da habe ich mich schnell zurechtgefunden, habe meine Minuten bekommen, die ich solide genutzt habe.“ Die Saison endete aufgrund der Corona-Pandemie im März vorzeitig. Der FC Schalke 04 entschied sich dazu, die Basketballmannschaft aus Kostengründen freiwillig in die Regionalliga zurückzuziehen. Für Jean-Louis war damit klar, dass es dort nicht weitergehen wird.
 
„Über den Sommer war es sehr ruhig. Ich habe aber hart trainiert, viel geworfen und auf meine Chance gewartet. Für mich stand fest, dass es nur zu einem ambitionierten Verein gehen kann. Ich will vorankommen und habe dann mit dem Koblenzer Angebot die erhoffte Chance auch bekommen“, berichtet er. Ergänzend sagt der Aufbauspieler: „Die Mannschaft habe ich über die Jahre verfolgt, auch weil mit Yassin Mahfouz ein Freund aus Berliner Zeiten vor Ort spielte.“
 
Neben der Basketballkarriere verfolgt Jean-Louis ein Fernstudium im Bereich Marketing. „So lange es möglich ist, will ich Basketball spielen und erfolgreich sein.“ Mit Koblenz in die ProA aufsteigen, das ist das ambitionierte Ziel. „Es ist zu früh, um uns als Titelkandidat zu bezeichnen, denn Coburg und Dresden sind Teams, die ganz oben mitspielen werden. Aber das Team versteht sich, da wir die gleichen Ziele haben und vor allem viel Siegeswillen“, plaudert er aus. Der 26-Jährige fährt fort: „Ich spüre das Vertrauen des Trainers. Das bestärkt mich in meinem Wurf und bringt gute Leistungen hervor. Davon sollen zukünftig noch mehr kommen, denn ich möchte beweisen, dass ich einer der besten Spieler in der 2. Basketball-Bundesliga ProB Süd bin.“