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Brian Butler sorgt für Gänsehautmomente

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Er ist der Mann für die besonderen Momente im Basketball. Die Momente, die das Publikum von den Sitzen reißt und begeistert zurücklässt. Brian Butler, Sommerneuzugang der EPG Baskets Koblenz, ist einer der besten Dunker Deutschlands, ein harter Arbeiter unter den Körben und bringt vor allem Siegesmentalität mit an das Deutsche Eck – drei Erfolge in drei Partien zum Saisonstart nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga Pro B sprechen für sich.
Den inoffiziellen Titel des besten Dunker hat sich Butler nicht etwa selbst gegeben. 2017 ermöglichte es ein Zufall, dass der gebürtige Augsburger bundesweit ins Rampenlicht trat. Und eher zufällig baute auch die Spielerkarriere des sprunggewaltigen Flügelspielers aufeinander auf, der am heutigen Samstag in Koblenz seinen 29. Geburtstag feiert. „Ich kam relativ spät zum Basketball und auch die Vereinswechsel bis hin zum Wechsel hierher waren eher von spontanen Begebenheiten bestimmt. Ich habe zwar einen Berater, doch der hat eher weniger zu tun“, berichtet Butler.
Der 1,96-Meter-Mann spielte zunächst Fußball. „So als ich 14, 15 war, hat mich dann ein Freund mitgenommen zum Basketball und die Dinge nahmen schnell ihren Lauf. Den einzigen Bezug zum Fußball habe ich nur noch durch meinen jüngeren Bruder“, erzählt Butler. Der 19-jährige Justin Butler steht nämlich am Beginn einer Profilaufbahn und unterzeichnete im Sommer seinen ersten Vertrag in der 3. Liga beim FC Ingolstadt 04. Die Sportlergene im Hause Butler scheinen also in die Wiege gelegt worden zu sein. „Mein Vater hat in Augsburg Basketball auf professionellem Niveau gespielt. Das hat mir natürlich auch geholfen“, sagt Butler. Schnell stach sein Talent mit dem orangefarbenen Leder hervor. Den Altersgenossen immer einen Schritt voraus, debütierte Butler schon im Alter von 17 Jahren im Männerbereich, mit 18 folgte der nächste Schritt. Butler erinnert sich schmunzelnd: „Meine Mutter hat mich erst von der Leine gelassen, als ich meine Ausbildung abgeschlossen hatte.“
Über die BG Leistershofen, damaliger Zweitligist, ging es zum großen FC Bayern München, deren Zweitvertretung übrigens der nächste Gegner der EPG Baskets sein wird. Butler spielte in der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL) für ein Jahr, ehe die Profikarriere in Ulm Fahrt aufnehmen sollte. 2010 folgte der Wechsel zur BG Illertal/Weißenhorn, Kooperationspartner von Bundesligist ratiopharm Ulm, in die Pro B. Hier reifte Butler in vier Jahren vom Talent zur Stammkraft und zum Führungsspieler, ehe der nächste logische Schritt kommen sollte. „Ich habe gemerkt, dass noch etwas mehr drin ist. Ich wollte mich auf dem nächsten Level beweisen.“
Das Team Ehingen/Urspring in der Pro A war die nächste Station. Nach einem guten ersten Jahr folgte ein zweites Jahr, in dem die Mannschaft erfolglos gegen den Abstieg kämpfte. „Das war das erste Mal, dass es nicht wie gewünscht lief. Es passte einfach nicht so zusammen, und schnell war nach dem Abstieg klar, dass ich mich neu orientiere. Immerhin lernte ich dort Zaire Thompson kennen, was später für meinen Wechsel nach Koblenz eine entscheidende Rolle spielen sollte.“ Butler musste nicht lange nach einem neuen Verein suchen, da Traditionsverein und Ex-Bundesligist Elchingen, mit Aufstiegsambitionen in der Pro B gestartet, anklopfte. Elchingen spielte erfolgreich, und in der Saison 2017/2018 gelang der große Wurf mit dem Titelgewinn in der Pro B. Aus dem erhofften Aufstieg wurde dennoch nichts, denn die Brühlhalle in Elchingen genügte den Ansprüchen der Pro A nicht.
2017 trat Butler, dem angesprochenen Zufall geschuldet, auf die ganz große Bühne. „Ich bekam einen Anruf von unserem Vereinsmanager in Elchingen, dass aufgrund von Verletzungen ein weiterer Teilnehmer für den Dunk Contest während des All-Star-Games der Bundesliga gesucht wurde. Mein Verein hat mich für den Tag freigestellt, obwohl am nächsten Tag ein Auswärtsspiel angestanden hat. Ich habe nicht lange überlegen müssen“, schildert Butler. Einen Tag später stand er im Bonner Telekom Dome neben den BBL-Stars auf dem Feld und düpierte diese – mit einem Dunk, bei dem er sich um die eigene Achse drehte. Damit zementierte Butler seinen Ruf.
„Diesen speziellen Dunk habe ich einfach in meinem Repertoire. NBA-Spieler Vincent Carter hat damit mal den Wettbewerb des All-Star-Games in den USA gewonnen.“ Zurück in Elchingen folgte nach dem verweigerten Aufstieg ein Jahr, indem sich bei Butler Gedanken über die weitere sportliche und berufliche Laufbahn mehrten. Ein Angebot von Pro A-Ligist Kirchheim Knights im Sommer 2019 ließen diese noch einmal hinten anstehen. Sportlich war es ein schwieriges Jahr für Butler, der erst spät in der Saison seinen Rhythmus fand, die dann im März jäh durch die Corona-Pandemie ihr Ende fand. „Ich hatte einen Jahresvertrag, und dann steht man da. Wie es weiter gehen würde, war ungewiss, man konnte nicht trainieren, die Vereine waren zurückhaltend mit ihren Planungen. Da kam der Gedanke, beruflich einen neuen Weg einzuschlagen und Basketball vielleicht nur noch nebenher laufen zu lassen“, erinnert sich Butler, dem dann ein alter Kontakt einen neuen Weg bereitete. „Ich hatte Kontakt zu Zaire, der ja schon in Koblenz gespielt hat. Er fragte mich ganz einfach, wo ich in der nächsten Saison spielen würde, und ich antwortete, dass ich es nicht weiß. Nur eine Woche später meldeten sich die Koblenzer Verantwortlichen.“ Mit einem Angebot, das Butler schnell überzeugte. „Ich habe hier einen langfristigen Vertrag angeboten bekommen und kann nebenbei in einem Wunschbereich eine Ausbildung machen. Professionellen Basketball und Beruf zu vereinbaren, ist in dem kurzlebigen Geschäft eine tolle Sache, ganz sicher ein Modell mit Zukunft“, sagt Butler.
Und wie kann die Zukunft des Basketballs in Koblenz aussehen? „Im Sport ist es nicht vorhersehbar. Mein Traum wäre es, als Führungsspieler mit meinem Team noch mal in die Pro A aufzusteigen und dort auch eine wichtige Rolle zu spielen. In Koblenz in einer voll besetzten CGM Arena zu spielen ist ein überaus reizvoller Gedanke. Dafür werde ich jedenfalls alles tun. Ich will einfach jedes Spiel gewinnen. Wir haben uns als neu formiertes Team schon schnell gefunden und werden versuchen, so erfolgreich wie nur möglich zu sein“, verspricht Butler.
Seinen Geburtstag verbringt der nun 29-Jährige mit seiner Freundin in Koblenz. Wie im März ist die Pandemie allgegenwärtig, eine Feier nicht möglich. Auch das Auswärtsspiel der Koblenzer in Gießen wurde aufgrund eines positiven Befundes bei den Lahnstädtern verlegt. Butler: „Ich bin aber ohnehin nicht der Typ, der seinen Geburtstag groß feiert, aber die Familie fehlt natürlich ein wenig. Im Moment bin ich einfach froh, hier zu sein. Koblenz gefällt mir schon richtig gut. Ich freue mich auf das Training mit meinen Teamkollegen, auf meinen Job auf und abseits des Feldes.“
 
Quelle: Rhein-Zeitung vom 07.11.2020