Mit einem Hin und Her bringt das rheinland-pfälzische Ministerium des Innern und für Sport um Minister Roger Lewentz den Profisport in Rage: Denn plötzlich und völlig überraschend ordnete das Ministerium an, dass die Basketballer der EPG Baskets Koblenz ab sofort den Trainings- und Wettkampfbetrieb in Rheinland-Pfalz einstellen müssen. Mit der Begründung, dass es sich nicht um Profisport handelt.
Noch vor drei Wochen war das kein Thema gewesen, die Koblenzer Basketballer, die in der 2. Bundesliga Pro B Süd spielen, erhielten vom Land die Genehmigung fürs Training und für Wettkämpfe; natürlich gemäß § 10 der aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz (12. CoBeLVO) ohne Zuschauer und mit den vorgeschriebenen Hygienevorschriften. Und die Baskets sorgen in der Liga derzeit für mächtig Furore, der Aufsteiger führt nach vier Siegen aus vier Spielen die Tabelle an. Nun werden die Baskets ausgebremst, obwohl sich seitdem weder der Profistatus der Koblenzer noch die Corona-Bekämpfungsverordnung geändert hat.
Darum will sich der Verein das nicht gefallen lassen. „Die Verfügung ist rechtswidrig. Wir sind Mitglied der 2. Basketball-Bundesliga GmbH und Profibetrieb im Sinne der 12. Corona-Schutzverordnung. Wir klären das jetzt gerichtlich. Schadenersatzansprüche behalten wir uns bereits jetzt vor“, sagt Christoph Schöll, 2. Vorsitzender der Baskets und Rechtsanwalt einer großen Koblenzer Anwaltskanzlei, und erklärt: „Die Vorgehensweise des Innenministeriums ist aus unserer Sicht rechtswidrig und ohne jegliches Fingerspitzengefühl. Wir können ab sofort nicht trainieren und müssen aber zum Beispiel am Samstag in Oberhaching spielen. Wenn überhaupt, hätte man dies doch mit den anderen fünf Pro B-Süd-Bundesländern abstimmen müssen. So ist es ein wettbewerbsverzerrender Alleingang zu unseren Lasten.“
Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, das den Profistatus der Pro B-Ligisten nicht anerkennt. „Wir haben sieben Spieler unter Vertrag, die zweimal täglich trainieren“, betont Schöll, „und was mich besonders ärgert: Dass das Innenministerium ohne den Sachverhalt vollständig aufzuklären, ohne die Strukturen der Pro B zu kennen und ohne mit den Beteiligten gesprochen zu haben, eine Entscheidung trifft.“ Eigentlich müsse jetzt die gesamte Pro B lahmgelegt werden, meint Schöll, denn „man kann ja nicht verlangen, dass wir täglich zum Training in ein anderes Bundesland fahren. Und wenn wir nicht trainieren, können wir auch nicht spielen“.
Außer sich vor Ärger ist auch Thomas Klein, Sportdirektor und Macher bei den Baskets. „Wir erfüllen alle Anforderungen der 2. Bundesliga, das ist auch mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden. Zudem gibt es zwei rechtskräftige Urteile, die bestätigen, dass die Pro B-Ligisten zur 2. Bundesliga gehören und professionell sind.“ Natürlich weiß Klein, dass in der numerischen Klassifizierung die ProB die dritthöchste Liga in Deutschland ist, aber „wir sind der Profi-Organisation 2. Bundesliga zugehörig, wir haben eine Vollprofitruppe“.
Doch das Sportministerium in Mainz sieht das anders. Zwar antwortete die Pressestelle nicht auf die von unserer Zeitung gestellten Fragen, erklärte aber schriftlich, warum die 2. Basketball-Bundesliga Pro B nicht in den Profibereich gehört. Unter anderem bezieht sich Fachabteilungsleiter Gunter Fischer auf ein Urteil im vorläufigen Rechtschutzverfahren und schreibt unter anderem: „Von einer einheitlichen 2. Liga unterhalb der 1. Liga im Basketball kann nach meinem Verständnis nur die Rede sein, wenn sowohl aus der Pro A-Liga als auch aus der Pro B-Liga ein Aufstieg in die 1. Liga möglich wäre. So war dies wohl geregelt in der ursprünglichen zweigeteilten 2. Bundesliga Nord und Süd. Im Urteil selbst wird ausgeführt, dass beabsichtigt sei, dass die 2. Bundesliga in Pro A und Pro B aufgeteilt werden soll, dass der Aufstieg aus der Regionalliga aber nur in Pro B erfolgen kann, und nur aus Pro A in die Bundesliga aufgestiegen werden kann. 'Eine Qualifizierung in Pro B für Pro A soll möglich sein.' Wie diese 'Qualifizierung' aussieht, erschließt sich mir nicht. Eine Bezeichnung als eine einheitliche 2. Liga wäre nur möglich, wenn es während der Runde eine Durchmischung des Spielbetriebs von Pro A und Pro B geben würde. Aus meiner bisherigen Kenntnis werden aber die Runden in Pro A (zweithöchste Spielklasse) und Pro B (dritthöchste Spielklasse) komplett durchgespielt und nur die Meister steigen auf beziehungsweise die Letzten steigen ab. Insoweit liegt hier nach unserer Einschätzung wie auch in anderen Sportarten das klassische System mit unterschiedlichen Spielklassen und mit Aufsteigern/Absteigern vor. Die bloße Etikettierung/Bezeichnung von Klassen ändert an der dieser Einschätzung nichts.“ Alles klar?
Warum das Innenministerium vor drei Wochen den Koblenzern erlaubt hat, zu trainieren und zu spielen, und jetzt eine Kehrtwende vollzieht, darauf antwortet die Pressestelle in Mainz nicht. Auch nicht auf die Frage, wer denn den Fehler am 29. Oktober gemacht hat und wer dafür verantwortlich ist. Das Innenministerium muss ja schließlich aus seiner Sicht einen Fehler gemacht haben, die Koblenzer Basketballer trainieren und spielen zu lassen, schließlich hat sich seitdem weder am Status der Basketballer noch an der Corona-Bekämpfungsverordnung etwas verändert.
Die Stadt Koblenz, die den Baskets die bittere Nachricht auf Anordnung des Innenministeriums übermittelt hat, gibt sich der Öffentlichkeit gegenüber neutral und erklärt: „Die Stadt Koblenz handelt regelkonform, also wenn uns eine übergeordnete Stelle etwas vorgibt, müssen wir dies umsetzen.“ Allerdings betont die Stadt, dass die Baskets bislang alle Hygienevorschriften in Training und Wettkampf eingehalten haben und kein positiver Corona-Fall rund um die Baskets bekannt ist.
Es ist eine verfahrene Situation, wie auch Baskets-Trainer Danny Rodriguez darstellt: „Wir hoffen, dass sich das alles schnell klärt und wir normal unser Training fortsetzen können. Man kann derzeit nur von Tag zu Tag schauen. Wir wissen nicht, wie es nach unserer Rückkehr vom Auswärtsspiel in Oberhaching weitergeht. Sicherlich wäre es denkbar, das Training mal zu verlegen, beispielsweise nach Limburg, aber dauerhaft ist das keine Option und auch mit immensen Fahrtkosten verbunden. Auch wäre es eventuell möglich, einmal ein Heimspiel woanders stattfinden zu lassen. Bei dem Aufwand, den so ein Spiel mit den ganzen Helfern mit sich bringt, ist das aber schwer zu bewerkstelligen und ganz sicher nicht mehrfach durchführbar.“
 
Das Schreiben des Koblenzer Ordnungsamtes, angeordnet vom Innenministerium
Dieses Schreiben des Ordnungsamtes der Stadt Koblenz erreichte die EPG Baskets Koblenz: „Hiermit widerrufen wir die Ihnen am 29. Oktober zugunsten der EPG Baskets Koblenz erteilte Genehmigung, den Trainings- und Wettkampfbetrieb bis einschließlich 30. November fortsetzen zu dürfen, mit sofortiger Wirkung. Aus diesem Grund ist der Trainings- und Wettkampfbetrieb der EPG Baskets Koblenz ab sofort einzustellen. Die Nutzung der Sportstätten der Stadt Koblenz durch die Mannschaft der EPG Baskets Koblenz wird bis auf Weiteres untersagt. Begründung: Gemäß § 10 der aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz (12. CoBeLVO) ist Training und Wettkampf im Amateur- und Freizeitsport in Mannschaftssportarten und im Kontaktsport zumindest bis einschließlich 30. November untersagt. Ausnahmen hiervon sind für den Profi- und Spitzensport in den Absätzen 3 bis 5 geregelt. Hiernach wird speziell der Trainings- und Wettkampfbetrieb im Profisport für alle Profimannschaften der 1. und 2 Bundesligen aller Sportarten sowie für die 3. Fußball-Liga der Herren zugelassen. Die übrigen Spielklassen sind nicht dem Profisport zuzuordnen. Das zuständige Ministerium des Landes Rheinland-Pfalz ist der Auffassung, dass die rheinlandpfälzischen Mannschaften, welche am Spielbetrieb der 2. Basketball-Bundesliga Pro B teilnehmen, nicht unter die Ausnahmetatbestände in den Absätzen 3 bis 5 zu subsumieren sind. Gemäß der Auslegung durch das Ministerium ist die 2. Basketball-Bundesliga Pro B als sogenannte „3. Basketball-Bundesliga“ zu bewerten. Da Profimannschaften der 3. Liga jedoch nur im Herrenfußball den Trainings- und Wettkampfbetrieb fortsetzen dürfen, hat Ihr Verein den Trainings- und Wettkampfbetrieb bis auf Weiteres einzustellen.“
 
Koblenzer trainieren in Bayern- TSV Oberhaching kommt Team von Trainer Danny Rodriguez entgegen
Koblenz. Abseits des Ärgers um den sofortigen Stopp des Trainingsbetriebes, über den es nun eine gerichtliche Auseinandersetzung geben wird, sind die Akteure der EPG Baskets Koblenz am heutigen Samstag (19 Uhr) auf dem Parkett gefordert. Die Mannschaft von Trainer Danny Rodriguez reiste bereits am Freitag als ungeschlagener Spitzenreiter der 2. Basketball-Bundesliga Pro B Süd nach Bayern zu den TSV Oberhaching Tropics.
Natürlich beeinflusst das Sportverbot die Spielvorbereitung bei den Baskets, die umdisponierten und in den Oberhachingern äußerst entgegenkommende Gastgeber fanden. Nach dem Trainingsverbot entfiel das Training der Baskets am Donnerstagabend und auch die Einheit am Freitagvormittag. Stattdessen machte sich das Team bereits früh am Freitag auf die knapp 550 Kilometer lange Auswärtsfahrt. „Ursprünglich wollten wir nach einer Einheit am Mittag los. Nun ging es früher los, und glücklicherweise konnten wir uns mit den Tropics arrangieren“, erklärt Rodriguez.
Die Baskets konnten die Spielhalle nutzen, um am Freitagabend und auch am Samstagvormittag jeweils eine Einheit durchzuführen. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Rodriguez, dessen Team als klarer Favorit zu den Bayern reist. „Natürlich kommen die Spieler nach so einer Nachricht ins Grübeln und waren niedergeschlagen. Aber auf dem Feld sollte es keine Rolle spielen“, hofft Rodriguez.
Während die Baskets das Selbstvertrauen von vier Siegen aus vier Spielen mitbringen, unterlagen die tropischen Gelbhemden in vier ihrer fünf Vergleiche. „Oberhaching ist sicherlich nicht so stark wie einige andere Teams, aber der TSV hat unheimlich viel Leidenschaft und Herz“, weiß Rodriguez und verweist auf den bislang einzigen Sieg, den die Bayern gegen Speyer einfuhren und dabei einen 20-Punkte-Rückstand aufholten. „Dazu kommt ein erstklassiger Trainer, der taktisch alle Kniffe kennt“, sagt Rodriguez mit Respekt vor seinem Kollegen Mario Matic.
Spielbestimmende Akteure bei den Gastgebern sind der 36-jährige Center Moritz Wohlers, seines Zeichens nach ehemaliger A2-National- sowie Bundesligaspieler, und Aufbauspieler Janosch Kögler, der vier Jahre für den FC Bayern auf Korbjagd ging und derzeit mit fast 21 Zählern im Schnitt ligaweit zu den gefährlichsten Schützen zählt. Der dritte Leistungsträger der Tropics, Bernhard Benke, wird verletzungsbedingt ausfallen.
Die Baskets dagegen vermelden Bestbesetzung plus Neuzugang. Am Dienstag stieß der Niederländer Chaed Wellian nach zwei negativen Corona-Tests zur Mannschaft. „Er macht einen sehr fitten Eindruck und wird uns sicher verstärken“, ist sich Rodriguez sicher. Auch die Integration verlief problemlos. Brian Butler, Edin Alispahic und CJ Oldham kennen den neuen Teamkameraden bereits aus gemeinsamen Zeiten in Elchingen. Rodriguez sagt: „Wir sind gerüstet und müssen einfach versuchen, unser Spiel und unser Tempo durchzudrücken. Alles, was danach kommt, versuchen wir erst einmal auszublenden.“
 
„Team, wir sind alle stolz auf euch. Koblenz, einschließlich des Oberbürgermeisters und seines gesamten Teams, steht wie eine Mauer hinter uns. Jedoch können sie nur auf Anweisung des örtlichen Ministeriums von Rheinland-Pfalz reagieren. Wir gehen jetzt vor Gericht. Auch das Top-Management der gesamten Bundesliga unterstützt uns. Wir ziehen Fäden. Wir werden es durchkämpfen. Ihr bleibt konzentriert, arbeitet hart in Oberhaching und besiegt sie.“ Thomas Klein, der Sportdirektor der EPG Baskets Koblenz.
 
Während das rheinland-pfälzische Sportministerium den Profistatus der Koblenzer Basketballer plötzlich nicht mehr anerkennt, erhält der Klub vom Bund finanzielle Coronahilfe für den Profisport.
 
Quelle: Rhein-Zeitung vom 21.11.2020