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Baskets setzen sich nach dramatischer Schlussphase 71:70 durch

  • Spielbericht
Der Traum vom Durchmarsch in die 2. Basketball-Bundesliga Pro A lebt bei den EPG Baskets Koblenz weiter. Nur drei Tage nach der überraschenden Auftaktniederlage in den Play-offs (79:92 in Gießen) zitterte sich die Mannschaft von Trainer Danny Rodriguez auf der Koblenzer Karthause zu einem glanzlosen 71:70 (31:31)-Heimsieg gegen die Baskets Schwelm. Das abschließende Gruppenspiel am kommenden Samstag bei den Itzehoe Eagles ist ein Endspiel: Nur der Sieger zieht in die nächste Runde ein.
Der Koblenzer Sportdirektor Thomas Klein versuchte erst gar nicht, die Partie in irgendeiner Weise schön zu reden. „Wenn du weißt, dass es hier um den Aufstieg in die Pro A geht, dann sollte dir das eigentlich den absoluten Adrenalinkick geben. Ich erwarte von jedem Spieler, dass er eine Grundmotivation mitbringt. Die Körpersprache muss stimmen, der Wille muss vorhanden sein. Bei uns waren Sachen dabei, die ich nicht nachvollziehen kann“, ging Klein hart mit dem Team ins Gericht. Lediglich Topscorer Brian Butler (19 Punkte) und den nach einer Lebensmittelvergiftung geschwächten Anthony Canty nahm er von seiner Kritik aus: „Alle anderen Spieler waren in der ersten Hälfte nicht im Play-off-Modus. Das war schon erschreckend.“
In der Tat kamen die Koblenzer mit dem Druck des Gewinnenmüssens überhaupt nicht zurecht. Das zeigte sich allein schon an den insgesamt 19 Turnovers, also den Ballverlusten, der Baskets. „Alles eine psychologische Frage“, konstatierte Klein und ergänzte: „Die Jungs wollten zwar, aber irgendwie war da eine Blockade. So was kann vorkommen, aber eigentlich darf das nicht passieren.“
Ähnlich wie die Koblenzer kamen auch die Gäste, die ihr erstes Gruppenspiel gegen Itzehoe mit 85:77 gewannen, nur schwer in Tritt. Beide Mannschaften starteten überaus nervös und mit zittriger Hand in die Partie. Die ersten zehn Minuten waren geprägt von vielen Ungenauigkeiten und wenig gelungenen Spielzügen. „Wir haben offensiv einfach zu schlecht agiert. Eigentlich können wir das deutlich besser“, haderte Gästecoach Falk Möller.
Immerhin: Sein ersatzgeschwächtes Team lag nach dem ersten Viertel knapp mit 19:18 vorn. Allerdings blieb die Angelegenheit weiterhin zäh. Weder die Koblenzer noch die Schwelmer brachten einen Lauf aufs Parkett. Dafür verrichteten sie ordentliche Arbeit in der Verteidigung. „In der Defense ist eigentlich alles so aufgegangen, wie wir uns das vorgestellt hatten“, war Baskets-Trainer Danny Rodriguez zufrieden. Gleichzeitig monierte er aber das fehlende Tempospiel seiner Mannschaft: „Wir waren einfach wieder zu langsam, das war schon in Gießen so. Außerdem haben wir den Ball immer wieder in unnötigen Situationen verloren.“
Weil Schwelm davon aber zu selten profitierte, war die Begegnung zur Pause beim Stand von 31:31 weiterhin ausgeglichen. Erst nach dem Seitenwechsel wirkten die Koblenzer deutlich wacher und gedankenschneller. Rodriguez hatte in seiner Halbzeitansprache anscheinend die richtigen Worte gewählt, denn die Baskets kamen mit viel Schwung aus der Kabine. Vor allem Butler war jetzt die antreibende Kraft in der Koblenzer Mannschaft. Er führte seine Teamkollegen zur 48:39-Zwischenführung (27.), musste dann aber wegen Foulproblemen auf die Bank.
Ohne ihren Leitwolf und Saisonbesten wurden die Baskets prompt wieder ausgebremst. Schwelm verkürzte nach und nach und lag zum Viertelende nach einem Schlussspurt wieder in Reichweite (49:52). „Es war ein spannendes, sehr intensives Spiel“, befand Gästetrainer Möller, während Rodriguez von einer Begegnung mit „vielen Höhen und Tiefen“ sprach.
Fast schon exemplarisch stand hierfür das Schlussviertel. Die Koblenzer erwischten erneut den besseren Start. Das lag nicht zuletzt an Butler, der für die heiße Endphase aufs Parkett zurückgekehrt war. Mit ihm lief es bei den Baskets sofort wieder rund. Selbst ein technisches Foul gegen Butler nach einem krachenden Alley-Oop-Dunk von ihm zum 58:52 (32.) schien die Gastgeber nicht stoppen zu können.
Es war nicht die einzige Schiedsrichter-Entscheidung, die an diesem Tag für große Verärgerung bei den Koblenzern sorgte. „Eigentlich spreche ich nicht so gerne über Schiedsrichterleistungen, aber dass Brian da ein technisches Foul bekommen hat, ist für mich völlig unverständlich. Er hat nach seinem Dunk weder seinen Gegenspieler beleidigt noch provoziert. Es waren einfach Emotionen im Spiel, die gerade in den Play-offs doch dazugehören“, schüttelte Rodriguez fassungslos mit dem Kopf.
Kurz darauf war für Butler endgültig Schluss, er kassierte seinen fünften Pfiff. Von der Bank aus musste er nun mit ansehen, wie seine Mannschaftskollegen ohne ihn erneut eine vermeintlich komfortable Führung herschenkten. Aus einem 64:55 wurde binnen drei Minuten ein 66:65 (37.). „Das darf uns nicht passieren“, ärgerte sich Rodriguez.
Spätestens jetzt hatte sein Team mit flatternden Nerven zu kämpfen. Als Schwelms Routinier Nikita Khartchenkov die Gäste 36 Sekunden vor dem Ende per Dreier sogar in Führung brachte (70:69), war der Koblenzer Aufstiegstraum fast schon geplatzt. Ausgerechnet Bankspieler Chaed Wellian sorgte dann mit seinen beiden einzigen Punkten des Spiels für den erneuten Führungswechsel und damit für den späten 71:70-Sieg.
„Wenn man Koblenz bei 71 Punkten hält, ist das eigentlich ein guter Wert. Leider haben wir die beiden letzten Würfe nicht getroffen. Wir sind natürlich tief enttäuscht, dass wir das Spiel am Ende nicht doch noch einmal gedreht haben“, sagte Möller und dachte dabei an die beiden Fehlwürfe von Montrael Scott und Khartchenkov in den Schlusssekunden. So dürfen die Koblenzer weiter vom Aufstieg träumen – wohl wissend, dass im kommenden Auswärtsspiel bei den Itzehoe Eagles eine deutliche Leistungssteigerung von Nöten sein wird. Rodriguez: „Wir dürfen den Gegner nach so einer Führung einfach nicht mehr zurückkommen lassen. Da müssen wir routinierter werden und in der Defense noch eine Extra-Schippe drauflegen.“
 
Koblenz: Jean-Louis, Oldham (10), Woodmore (11), Mayer (10), Schaake, Westerhaus, Butler (19), Alispahic (5), Wellian (2), Thompson (2), Lieser (6), Canty (6).
 
Quelle: Rhein-Zeitung vom 06.04.2021