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Baskets besiegen Gießen nach Verlängerung

  • Spielbericht
Danny Rodriguez schnaufte kräftig durch. Der Trainer der EPG Baskets Koblenz überlegte erst kurz, grinste dann über das ganze Gesicht und schnaufte schließlich nochmal durch. „Es war ein emotionales Spiel mit Höhen und Tiefen“, meinte er nur, „diese Partie muss ich jetzt erst einmal sacken lassen.“ Und wieder schnaufte er durch.
Nun hat Rodriguez, wenngleich noch ein sehr junger Trainer, gewiss schon so manches Wechselbad der Gefühle durchlebt. Doch einige Basketballabende sind eben doch spezieller, weil denkwürdiger und nervenaufreibender, als andere. So wie eben jener zum Abschluss der regulären Saison in der 2. Basketball-Bundesliga ProB Süd. Nach großem Kampf rangen die Koblenzer den Tabellendritten Gießen 46ers Rackelos in der Verlängerung mit 109:107 (101:101, 55:52) nieder. Das einzig Ärgerliche daran: Corona-bedingt waren einmal mehr keine Zuschauer zugelassen und so fand die Nervenschlacht unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Sporthalle auf der Karthause statt.
Den Koblenzern war anzumerken, dass sie sich für das letzte Hauptrundenspiel vor den in zwei Wochen beginnenden Play-offs einiges vorgenommen hatten. Die Gastgeber waren gleich auf Betriebstemperatur und versenkten früh Korb um Korb. Mitverantwortlich für den guten Start der ballsicheren Baskets war das Duo Brian Butler und Anthony Canty, das sofort Schwung aufnahm. Mit insgesamt 30 Punkten war Butler wieder einmal der Topscorer der Baskets, dicht gefolgt von Canty mit 28 Punkten und einer 75-prozentigen Trefferquote von außen.
Ganz im Gegenteil dazu hatte Gießens Bester in dieser Saison, Johannes Lischka, mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Die Koblenzer hielten den Ex-Nationalspieler anfangs geschickt in Schach und führten auch deshalb nach dem ersten Viertel verdient mit 33:22. „Die Mannschaft hat super verteidigt und vorn einen sehr guten Ball gespielt. Wir haben uns auf den einzelnen Positionen gut bewegt“, war Baskets-Sportdirektor Thomas Klein zufrieden mit dem ersten Spielabschnitt.
Deutlich verhaltener hörte sich im Nachgang sein Fazit zum zweiten Viertel an. Zwar zogen die Koblenzer zwischenzeitlich bis auf 41:24 davon (12.), dann aber schmolz der Vorsprung plötzlich. Die Gäste holten Punkt um Punkt auf, und mit der Halbzeitsirene gelang Sebastian Brach das 52:55 aus Sicht der Mittelhessen. „Wir sind total eingebrochen. Das lag daran, dass die Intensität in der Verteidigung fehlte“, monierte Rodriguez. Klein stimmte dem uneingeschränkt zu: „Wir waren nicht mehr so aggressiv, haben unnötige Rebounds abgegeben. Unser Rhythmus ist einfach verloren gegangen.“
Gießen ließ zunächst nicht locker. Kurz nach Wiederbeginn gelang Donte Nicholas gar das 59:59 (23.). Dieser Ausgleich kam für die Baskets einem Weckruf gleich. Die Koblenzer waren nun viel bissiger und zielstrebiger in ihren Aktionen. Der Lohn: Nach einem 11:0-Lauf hatten die Gastgeber die Nase wieder vorn (70:59, 25.). Doch Gießen pirschte sich erneut heran. Tim Uhlemann riss das Spiel in dieser Phase an sich und markierte nun wichtige Punkte für die Gäste. Sein krachender Dunk bedeutete gegen Viertelende das 72:73.
Das Momentum lag jetzt eindeutig bei den Lahnstädtern. Erst glich Lischka von der Freiwurflinie aus, dann übernahm Gießen beim Stand von 79:77 erstmals in diesem Spiel die Führung (31.). Einmal in Fahrt gekommen, setzte sich der Tabellendritte nun bis auf 86:77 ab. Erst nach langen zweieinhalb Minuten traf DJ Woodmore für die Koblenzer und stoppte damit den Lauf von Gießen. Eine hochspannende Schlussphase samt Achterbahnfahrt der Gefühle war damit eingeläutet. „Meine Jungs haben ohne Ende gekämpft. Sie haben alles gegeben und sich ins Spiel zurückgefightet“, war Rodriguez angetan von der Moral seines Teams. Die Baskets starteten eine furiose Aufholjagd. 30 Sekunden vor Schluss war es Zaire Thompson, der die Partie mit einem erfolgreichen Distanzwurf drehte. Koblenz führte nun mit 101:98, doch das Spiel nahm quasi mit Ablauf der Uhr eine erneute Wende. Zur tragischen Figur wurde dabei Thompson, der sich im Eifer des Gefechts zu einem vermeidbaren Foul hinreißen ließ. Gießens Nicholas musste alle drei Freiwürfe verwandeln, um die Verlängerung zu erzwingen und genau das tat der 34-Jährige auch.
„Das Foul ist meine Schuld gewesen, das nehme ich auf meine Kappe. Es hätte nicht so spannend sein müssen“, war Thompson nach Spielschluss untröstlich, wenngleich ihn der Sieg in der Overtime dann doch wieder „überglücklich“ machte: „Wir haben gezeigt, dass wir Kämpfer sind. Das ist auf jeden Fall ein positives Zeichen für die Play-offs.“
Dort treffen die Koblenzer in den kommenden Wochen erneut auf Gießen. Nicht ausgeschlossen, dass die Nerven der Baskets dann wieder auf die Probe gestellt werden. „Das Spiel von heute war sicherlich ein kleiner Vorgeschmack“, sagte Rodriguez, der siegessicher in die Verlängerung ging: „Ich habe es in den Augen der Jungs gesehen, sie hatten den Willen, dieses Spiel zu gewinnen.“ Sportdirektor Klein war einfach nur stolz: „Ich muss der Mannschaft einen Riesenrespekt zollen. Dass wir da noch zurückgekommen sind, hätte ich nicht gedacht. Das war schon eine große emotionale Energieleistung von den Spielern.“
Dabei erwischten die Baskets zunächst keinen guten Start in die Verlängerung. Gießen führte bis zur Schlussminute konstant. Erst dann traf Thompson erneut per Dreier zum Ausgleich, ehe Butler sieben Sekunden vor dem Ende das 109:107 markierte.
Die Nervenschlacht spitzte sich zu, als Gießen noch einmal eine Auszeit nahm, um sich für den finalen Angriff zu formieren. Im Getümmel kam der Ball schließlich zu Nicholas. Doch ausgerechnet der Topscorer der Gäste (31 Punkte), der die Hessen erst in die Verlängerung führte, hatte dieses Mal kein glückliches Händchen und verpasste im allerletzten Moment den abermaligen Ausgleich.
So waren es schließlich Rodriguez und seine Mannen, die sich zwar völlig erschöpft, aber dennoch überglücklich in den Armen lagen. „Wir werden die Zeit jetzt nutzen, um im Kopf ein bisschen abzuschalten und den Körper auszuruhen“, sprach Rodriguez und schnaufte ein letztes Mal kräftig durch.
 
Koblenz: Butler (30), Canty (28), Woodmore (18), Thompson (12), Mayer (10), Schaake (5), Oldham (4), Wellian (2), Fölbach, Jean-Louis, Lieser, Lübken.
 
Quelle: Rhein-Zeitung vom 15.03.2021